Handy & Täuschungsversuch

Vorüberlegung – Handy als Spickzettel i.w.S.?

Dass Handys generell für Täuschungsversuche und Täuschungen in der Schule geeignet sind, dürfte außer Frage stehen:

  • Die meisten Schüler verfügen über Flatrates, d.h. können unbeschränkt ins Internet und dort Informationen beschaffen, die einen Vorteil in der Schule herbeiführen können.
  • Informationen können darüber hinaus auch über soziale Medien wie whatsapp weitergegeben werden, indem Fragen zur Klassenarbeit gestellt und von jemand anderem beantwortet werden.
  • Oder man kann ein Handy auch dafür nutzen, direkt Informationen dort zu hinterlegen - was dem klassischen Spickzettel am Ehesten entspricht…

Im Unterschied zum klassischen Spickzettel unterscheiden sich Handys demnach, dass sie zwar nicht zwangsläufig wie ein Spickzettel Informationen enthalten müssen, andererseits aber grundsätzlich auch Möglichkeiten über einen bloßen Spickzettel hinausgehend beinhalten…

Ausdrückliche Handyverbote bei Klassenarbeiten usw.:

Am Gefährlichsten ist die Situation, wenn es im Einzelfall schulrechtliche Normen generell verbieten, Handys in irgendeiner Form bei Klassenarbeiten bei sich zu führen. Im Regelfall werden bei solchen Konstellationen die Schüler hierüber informiert und die Handys beim Lehrer vor der Stunde abgegeben.

Hat jemand dann entgegen diesen Vorgaben ein Handy an seinem Platz und wird dabei erwischt, so kann die Luft bereits dann dünn werden, wenn das Handy nicht einmal eingeschaltet ist und der Schüler auch nicht beim Spicken erwischt wurde…

In solchen Fällen kann es dann durchaus dazu kommen, dass Lehrer auf die Idee kommen, alleine den Verstoß gegen das ausdrückliche Handyverbot sanktionieren zu wollen – im schlimmsten Fall mit einer „6“.

Ob man in dieser pauschalen Form und unabhängig von Anhaltspunkten der konkreten Nutzung wirklich sanktioniert, erscheint durchaus hart, da man auf diese Weise im Ergebnis auch solche Schüler sanktioniert, die vielleicht gar nicht schummeln wollten und das Handy einfach nur vergessen haben. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat in einer Entscheidung vom 29.06.2011 (AZ: 7 K 3433/10) für solche Regelungen indes grundsätzlich Verständnis gezeigt und dies u.a. mit generalpräventiven Erwägungen begründet. Gleichzeitig hat das Gericht in dem konkreten Fall aber eine Hintertür geöffnet und nur dann den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gewahrt gesehen, wenn vor der Prüfung in klarer und unmissverständlicher Weise auf das Verbot hingewiesen wurde – was zumindest bei der entschiedenen mündlichen Prüfung nicht der Fall war...

Entsprechend dürfte die Luft auch immer dann sehr dünn werden, wenn es zwar keine konkrete Regelung gibt, Schüler aber vor einer Klassenarbeit von ihren Lehrern aufgefordert werden, ihre Handys abzugeben. Man mag dann darüber sinnieren, ob alleine eine solche „Ansage“ auch ohne Norm überhaupt zulässig sein mag, man wird dann aber nicht mehr darüber zu diskutieren brauchen, dass man es nicht gewusst habe…

Kurzum: Auch hier bleibt es dabei, dass man über Einzelfälle zu entscheiden hat. Bei ausdrücklichen Anweisungen sollte aber niemand irgendein Risiko eingehen und das Handy abgeben, damit nicht alleine dieses Unterlassen bereits zu Diskussionen führt.

Täuschungsvorwürfe ohne konkrete Handyverbote:

Gibt es entsprechende Normen und/oder Anweisungen nicht, so heißt das natürlich noch lange nicht, dass man das Handy dann während der Klausur in der Hosentasche haben sollte.

Vorsorglich sollten Handys bei Klausuren in der Schultasche verstaut werden und diese sollten nicht in Greifweite lagern – denn andernfalls kann es naturgemäß auch zu Vorwürfen kommen. Dies geschieht in der Praxis keineswegs nur dann, wenn ein Lehrer beobachtet, wie ein Schüler unter dem Tisch auf dem Handy tippt, sondern kann bereits dann der Fall sein, wenn das Handy plötzlich Geräusche von sich gibt oder auch nur aus der Hosentasche rutscht…

Wie dargestellt, gilt ein Handy stets als ein potentieller Spickzettel, so dass man sich nicht zu wundern braucht, wenn bereits bei grundsätzlicher Nutzungsmöglichkeit, von einem Missbrauch gesprochen wird. Und grundsätzlich ist ein Handy selbst in ausgeschaltetem Zustand potentiell als Spickzettel geeignet, solange es in Griffnähe ist und schnell eingeschaltet werden kann.

Ab wann „wirklich“ von einem Täuschungsversuch gesprochen werden kann, ist bei solchen Konstellationen natürlich wieder eine Frage des Einzelfalles:

Grundsätzlich trifft die Schule die Beweislast, ob ein Täuschungsversuch stattgefunden hat oder nicht, was naturgemäß nur bei eindeutigen Konstellationen so ohne weiteres darstellbar sein wird.

Rechtlich hängt deshalb oftmals sehr viel davon ab, ob man bereits in den Anwendungsbereich eines sogenannten „Beweises des ersten Anscheins“ gerät. Dies wird immer dann angenommen, wenn einzelne Tatsachen bei verständiger Würdigung den Anschein erwecken, dass der Schüler getäuscht hat. Wird ein solcher Beweis des ersten Anscheins angenommen, dann muss der Schüler die hieran anknüpfende Vermutung durch Umstände zu entkräften versuchen, die für einen atypischen Geschehensablauf sprechen, was naturgemäß schwer ist.

Ob es nach diesen Grundsätzen bereits ausreicht, wenn ein ausgeschaltetes Handy aus der Hosentasche rutscht oder zwar eingeschaltet ist, man aber insgesamt keine weiteren Anhaltspunkte für Verstöße hat, wird man im Einzelfall beurteilen müssen. Es mag aus Sicht der Schule auf den ersten Blick tatsächlich befremdend erscheinen, warum man während Klassenarbeiten Handys nicht in ausgeschaltetem Zustand in der Tasche belässt und diese stattdessen in der Hosentasche aufbewahrt und/oder eingeschaltet hat. Ob dies alleine für sich genommen allerdings bereits den Anschein begründet, dass etwas nicht sauber abgelaufen ist, mag auf den zweiten Blick auch für eine Schule anders aussehen und wird man im Einzelfall entscheiden.

Problematischer mag es natürlich wieder dann werden, sobald noch weitere Konstellationen hinzukommen. In der Schule häufig diskutierte Fälle sind einmalige, unerklärliche Leistungssteigerungen, ein ungewöhnlicher Stil oder Wortgleichheit mit Ausführungen aus einem Buch oder Wikipedia… Und wer auf seinem Handy herumtippt und dabei erwischt wird, hat natürlich noch mehr Erklärungsprobleme…

Grundsätzlich ist aber nochmals festzuhalten: Ab wann tatsächlich von einem Täuschungsversuch ausgegangen werden kann, unterliegt keiner pauschalen Betrachtung, sondern ist eine Einzelfallentscheidung und muss alle konkreten Umstände einbeziehen.

Deshalb sollten Lehrer auch immer die Klausur zu Ende schreiben lassen, weil es ansonsten zu einer Vorverurteilung kommt. Zur beidseitigen „Beweissicherung“ wäre denkbar, dass der Lehrer eine Kopie der bisher erbrachten Leistungen anfertigt und das Handy abnimmt und der Schüler zu Ende schreibt.

Schülern ist ungeachtet dessen natürlich nachhaltig zu raten, gerade bei Klausuren die Handys in ausgeschaltetem Zustand in der Tasche zu belassen… Alles andere ist ein Risiko.

Sanktionen bei Täuschungsversuchen mit Handys:

Selbst bei einem erwiesenen Verstoß ist es übrigens nicht zwangsläufig so, dass die Arbeit mit einer „6“ bewertet wird. Die Sanktionssysteme bei Täuschungsversuchen lassen üblicherweise je nach Schweregrad unterschiedliche Sanktionen zu, was insbesondere dann interessant wird, wenn wesentliche Teile der Klausur gar nicht für eine Täuschung geeignet sind.

Hier bietet sich ein Blick in die jeweiligen normativen Grundlagen an.